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Krohwinkel veröffentlichte erstmals 1984 ihr konzeptionelles Modell der Aktivitäten und existenzielle Erfahrungen des Lebens (AEDL). Das Modell wurde in einer 1991 abgeschlossenen Studie erprobt und weiterentwickelt. Diese Studie war die erste von einer Pflegenden durchgeführte wissenschaftliche Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit in Deutschland. Sie befasste sich mit dem ganzheitlich-rehabilitierenden Pflegeprozess am Beispiel von Schlaganfallpatienten.

Förderungsanlass war das damals neue Krankenpflegegesetz von 1985, welches einen geplanten, systematischen und umfassenden Pflegeprozess im stationären Bereich forderte, um die gesetzlichen Ausbildungsziele zu erreichen. Quelle: Wikipedia

13 AEDL´s - Aktivitäten und Existentielle Erfahrungen des Lebens

  1. Kommunizieren
  2. Sich bewegen
  3. Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten
  4. Sich pflegen
  5. Essen und Trinken
  6. Ausscheiden
  7. Sich kleiden
  8. Ruhen und Schlafen
  9. Sich beschäftigen
  10. Sich als Mann / Frau fühlen
  11. Für eine sichere Umgebung sorgen
  12. soziale Bereiche des Lebens sichern
  13. Mit existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen

1. Kommunizieren

Wahrnehmungsfähigkeit, Ausdruck von Gefühlen, Gestik, emotionale Bedürfnisse, Sprache, Schreiben, Mimik, Hören, Sehen (Hilfsmittel), Erinnerung, Konzentration.

Man fördert die Beziehung und unterstützt die Kommunikation. Die Bewusstseinslage die Orientierung in Bezug auf Personen, Zeit und Raum, das Erinnerungs- und Konzentrationsvermögen gehören laut M. Krohwinkel (1993) ebenso dazu, wie die Fähigkeit, sich mündlich und schriftlich mitzuteilen.
Auch Mimik / Gestik, Ausdruck von Gefühlen und das Wahrnehmensvermögen in Bezug auf Hören, Sehen und Gesichtsfeld, Lesen usw. fallen in den Bereich des Kommunizierens, weiterhin das Verstehen und Erkennen verbaler und schriftlicher Information.
Desgleichen wird die Fähigkeit, Wärme / Kälte zu empfinden und Schmerz auszudrücken, nach M. Krohwinkel. Hier eingeordnet. Außerdem müssen die Pflegenden bei diesem Aufgabenbereich überlegen, welche Hilfsmittel sie zur Unterstützung des Patienten benötigen.

2. Sich bewegen

aktive und passive Kontrakturenprophylaxe, Gehen, Lagerung, Gleichgewicht, Gleichgewichtsstörungen

Man fördert die allgemeine Beweglichkeit und gibt Hilfen, z.B. beim Lagewechsel, Aufstehen, Sitzen und Gehen. Laut M. Krohwinkel gehört dazu die Körperbewegung innerhalb und außerhalb des Bettes. Man beachtet auch Lähmungen und Spastiken sowie sonstige Bewegungs-einschränkungen, z.B. zur Kopfkontrolle. Auch Gleichgewicht und Gleichgewichtsstörungen, sowie Lagerungen fallen in den Bereich, wobei in diesem Zusammenhang gefährdete Körperregionen beachtet werden müssen. Der Umgang mit Kontrakturen, Dekubitalgeschwüren und lagerungsbedingten Ödembildungen gehören ebenfalls zu diesem Lebensbereich.

3. Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten

Vitalzeichen; Blutdruck, Blutzucker, Atemfähigkeit, Wärmeregulation

Man fördert die Atemfähigkeit, den Kreislauf sowie die Wärmeregulation usw. Hierzu zählt M. Krohwinkel alles, was mit Atmung, Husten, Verschleimung, Infekte, Atemstörung, Atemnot zu tun hat. Dazu gehört auch die Kreislaufsituation (Durchblutung, Blutdruck, Puls), ebenso wie Temperaturregulierung (Fieber) und die Transpiration (Schwitzen, Frieren).

4. Sich pflegen

Körperpflege, Hautzustand, Hautschäden

Man fördert und unterstützt die individuelle Körperpflege. Hierbei wird auf den Hautzustand, die allgemeine Hautpflege (z.B. Kosmetik) und die spezielle Hautpflege geachtet. Beim Waschen des Patienten wird darauf geachtet, ob sich jemand selbständig waschen kann oder dabei Hilfe benötigt. Es wird dabei die Pflege im Hinblick auf einzelne Körperbereiche unterschieden (z.B. Mund-/ Nase-/ Augen-/ Haar-/ Intimbereichspflege). Weiterhin muss auf Hautschäden (Rötungen, Schwellungen, Blasenbildungen, Ödeme, Hautdefekte, Allergien, Infektionen) geachtet werden.

5. Essen und Trinken

Kostformen, Bedürfnisse, Anreichen, Zubereitung (Erbrechen)

Man unterstützt den Patienten bei seinen individuellen Bedürfnissen und Gewohnheiten in Bezug auf Essen und Trinken. Beim Essen beachtet man die Menge der Nahrungsaufnahme, den Appetit und das Geschmacksempfinden des pflegebedürftigen Menschen, sowie die Art der Nahrungszubereitung (passierte Kost, Diäten, Sondenkost, parenterale Ernährung). Beim Trinken beachtet man, wie Flüssigkeiten aufgenommen werden und wie groß die Trinkmenge ist, die der pflegebedürftige Mensch zu sich nimmt. Auch die Zähne spielen in diesem Zusammenhang eine Rolle (Zahnstatus, Situation des Zahnfleisches, Zustand der Prothesen). Das Kauen und Schlucken (Lippenschluss, Speichelfluss, Mundboden-, Zungen-, Wangenmuskulatur, Gaumensegel, Zäpfchen) und die Koordination von Kauen und Schlucken sind ebenso zu berücksichtigen, wie die Verträglichkeit von Speisen und Getränken (Übelkeit, Erbrechen).

6. Ausscheiden

Obstipation, Diarrhoe, kontinent, inkontinent, Toilettentraining

Hier steht die Förderung von Kontinenz im Mittelpunkt. Ferner werden Pflegehilfen zur Bewältigung individueller Inkontinenzprobleme gegeben. Bei der Urinausscheidung geht es um Menge, Rhythmus, Inkontinenz, Miktionsstörungen, Harnverhalten, Harnwegsinfektionen usw., bei der Stuhlausscheidung ebenfalls um Menge, Rhythmus, Inkontinenz sowie Obstipation, Diarrhöen.

7. Sich kleiden

bevorzugte Kleidung

Hierbei achtet man auf die individuellen Bedürfnisse bezüglich Kleidung und versucht, die Unabhängigkeit in diesem Bereich zu fördern. Man beachtet die bevorzugte Kleidung tags- und nachtsüber. Es gehört hierzu auch die Unterstützung beim An- und Auskleiden.

8. Ruhen und Schlafen

Schlafgewohnheiten, Schlafstörungen, Schlafrhythmus

Pflege leistet Unterstützung bei den individuellen Ruhe- und Erholungsbedürfnissen. Man versucht, einen physiologischen Schlaf-Wach-Rhythmus zu fördern und unterstützt die älteren Menschen bei der Bewältigung von Schlafstörungen. Ebenso wichtig sind Phasen der Ruhe und der Entspannung, sowie gewünschte Ruhepausen der Betroffenen. Beim Schlafen beachtet man die Schlafqualität, Schlafdauer und Schlafzeiten.

9. Sich beschäftigen

Tagesgestaltung, Hobbys, selbständige Aktivitäten

Bei diesem Lebensbereich spielen die Tagesgestaltung, Hobbys, Interessen, selbständige Aktivitäten eine Rolle sowie die Aktivitäten, die zusammen mit anderen Personen (z.B. Angehörigen, Pflegepersonen, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden) unternommen werden.

10. Sich als Mann / Frau fühlen

Sexualität

Hier handelt es sich um einen Bereich, der in diesem Zusammenhang vielleicht etwas ungewöhnlich erscheint. Gemeint ist, dass Pflegearbeit ein positives und lebensbejahendes Selbstempfinden des Patienten als Mann oder Frau fördern sollte. Man muss in der Pflege die Sexualität des pflegebedürftigen Menschen akzeptieren, andernfalls kann man nicht gut pflegen. Durch den intensiven Kontakt, den man zum Patienten hat, erlebt man automatisch die Krisen mit, die ältere Menschen durch den Verlust ihrer Jugend und / oder des Partners sowie durch Einsamkeit haben. Man begleitet den Patienten, der unter Störungen im Bereich Nähe / Distanz leidet. Beim Lebensbereich „Sich als Mann oder Frau fühlen und verhalten“ werden insbesondere Verbindungen zu den Bereichen „Sich pflegen“ , „Ausscheiden“ , „Sich kleiden“ , „Soziale Bereiche des Lebens sichern“ und „Mit existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen“ beachtet.

11. Für eine sichere Umgebung sorgen

psychische Sicherheit, Orientierungshilfen

Hier ist gemeint, dass man auch die allgemeinen Selbstpflegefähigkeiten des Menschen fördern soll. Man unterstützt sie im Bereich einer sicheren Lebensführung. Dazu gehört neben der Haushaltsführung auch die psychische Sicherheit. Man fördert bzw. unterstützt den Patienten, falls es notwendig ist, bei der Gestaltung seines Wohnumfeldes. Man versucht, den pflegebedürftigen Menschen vor Verletzungen und Einschränkungen zu schützen, und man überlegt mit ihm zusammen, welche Orientierungshilfen für ihn dienlich sind usw. Hierbei spielen nach M. Krohwinkel die räumliche Ausstattung, die Art und Anordnung der Einrichtungsgegenstände, die Ausstattung des Bettes, die Bestuhlung, Hilfsmittel zur Orientierung wie Kalender, Uhr, Zeitung, Zeitschriften, Radio, Fernsehen usw. eine Rolle.

12. soziale Bereiche des Lebens sichern

Bei diesem Lebensbereich unterstützt man ältere Menschen darin, bestehende Beziehungen aufrechtzuerhalten, und versucht, ihre Integration in ein selbstgewähltes soziales Umfeld zu fördern und sie vor sensorischen Deprivationen und Isolation zu schützen. Auch die sozialen Beziehungen zu Lebenspartnern, Freunden, Nachbarn, Bekannten und den primären persönlichen Bezugspersonen werden beachtet, sowie der Beruf, die gegenwärtigen und früheren beruflichen Aktivitäten des Betroffenen und seine mit dem Beruf verbundene Verantwortung, ferner private Verpflichtungen, z.B. Sorge tragen für den Lebenspartner. Außerdem gehört die Wohnung in diesen Bereich. Die Vor- und Nachteile der örtlichen Gegebenheiten, die Risiken wie Stufen oder Treppen, sowie die Angemessenheit von Wohnräumen, Toiletten, Flur und Badezimmerausstattung, sind nach M. Krohwinkel ebenfalls zu berücksichtigen.

13. Mit existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen

bestehende Beziehungen aufrechterhalten (Bekannte, Verwandte)
Angemessenheit der Wohnräume
Tod, Sterben, Glaube lebensgeschichtliche Erfahrungen

Hierbei meint M. Krohwinkel, dass Pflegepersonen die Patienten begleiten in der Auseinandersetzung mit existentiellen Erfahrungen wie Angst, Isolation, Ungewissheit, Sterben und Tod. Pflege unterstützt ebenso bei existenzfördernden Erfahrungen wie Integration, Sicherheit, Hoffnung, Wohlbefinden und Lebensfreude. Auch Erfahrungen, die die Existenz fördern oder gefährden können, z.B. kulturgebundene Erfahrungen, Weltanschauung, Glaube, Religionsausübung, lebensgeschichtliche Erfahrungen, Biographie, spielen hier eine Rolle. Die Aufgaben der Pflege lassen sich also schlecht in medizinisch-pflegerische und sozialpflegerische Aufgaben unterteilen. Pflegerische Leistungen werden in den AEDL-Bereichen mehrdimensional erbracht. Die AEDL-Bereiche sollen als Orientierungshilfen für die Einschätzung von Problemen, Bedürfnissen und Fähigkeiten des pflegebedürftigen Menschen genutzt werden.

Die Existenz gefährdenden Erfahrungen:

  • Verlust von Unabhängigkeit
  • Sorge
  • Angst
  • Misstrauen
  • Trennung
  • Isolation
  • Ungewissheit
  • Hoffnungslosigkeit
  • Schmerzen
  • Sterben

Die Existenz fördernden Erfahrungen:

  • Wiedergewinnung von Unabhängigkeit
  • Vertrauen
  • Zuversicht / Freude
  • Integration
  • Sicherheit
  • Hoffnung
  • Wohlbefinden

Erfahrungen, welche die Existenz fördern oder gefährden:

  • kulturgebundene Weltanschauung
  • Religionsausübung
  • Lebensgeschichtliche Erfahrungen
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